Philosophie des Yoga
Herbst 2005Die Philosophie des Yoga
Auf ihrer Suche, die menschliche Natur und seinen Geist zu erforschen, entdeckten spirituelle Menschen in der vedischen Kultur Indiens im ersten Jahrtausend vor Christus den Weg der Selbsterfahrung durch Yoga. Yoga verlangt Selbstdisziplin und die Beherrschung von Körper- und Geistesfunktionen. Durch die Kontrolle seiner Antriebskräfte soll der Mensch in die Lage versetzt werden, sich mit der so genannten Weltseele, dem Höchsten des eigenen Inneren (sanskrit = atman), zu verbinden.
Yoga verlangt selbstloses Tun
Der Mensch soll handeln, ohne dass er Erfolg oder Anerkennung für seine Taten erwartet. Yoga verlangt auch eine Neubewertung des Körpers. Der Körper ist der Tempel Gottes. Körperübungen, Atempraktiken und Entspannung sollen zu einer Umorientierung des Lebens führen, die im Alltag von Nutzen ist.
Die Bedeutung des Yoga
Yoga (von der Sanskrit-Wurzel yui =zusammenbinden, anspannen) bezeichnet die traditionelle Schulung der geistigen Konzentration in Indien. Sie geht davon aus, dass diese Konzentration durch die zugrundeliegenden Asymmetrien in der Anlage der Sinnesorgane des Körpers permanent gestört wird. Der Mensch verbraucht zuviel Energie für den Ausgleich. Durch Wiederherstellung der Symmetrie des Körpers in jedem Bereich oder Feld will sie den Menschen von der Last dieses Ausgleich-Verfahrens befreien, um ihn zur Erfahrung seiner selbst führen.
Im Mittelalter entstand durch den indischen Yoga-Theoretiker Goraksanatha und seine Schule eine Verfeinerung der körperbezogenen Praktiken. Um den Begriff “Yoga” vor dem Missbrauch durch Scharlatane zu schützen, nannte diese Schule ihre Konzentrationsschulung Hatha-Yoga (hatha = Gewalt). Damit sollte angedeutet werden, dass gewaltige Anstregungen nötig sind, wenn man ein “Virtuoser” der Konzentration werden will. Wer die Endstufe erreicht, ist Raja (sprich: radscha = König).
Die unterschiedlichen Methoden verschiedener Yogawege, die zur Reise ins Innere führen, wurden von Yogameistern über die Jahrtausende weitergegeben und werden heute in zeitgemäßen Formen fortgeführt.

Die Bedeutung des Yoga für den Menschen heute liegt in der Möglichkeit, durch Übungen Klarheit und Stabilität zu gewinnen. Meditation, Kontemplation und Konzentration auf den Atem lassen innere Ruhe und Entspannung entstehen.
Yoga bedeutet eins zu sein mit der Natur und dem Kosmos. Sich strecken, zum Himmel dehnen, die Seele öffnen, innerlich wachsen. Wer den Büro- und Alltagsstress abstreifen will, kann mit Yoga das nötige Handwerkszeug erlernen.
Yogarichtungen
Hatha Yoga
Hatha Yoga ist wohl der bekannteste Yoga Stil. Er beinhaltet die körperorientierten Praktiken
- Asanas (Yoga-Stellungen)
- Pranayama (Atemübungen)
- Tiefenentspannungs-Techniken
Im Hatha Yoga gibt es auch Ratschläge für eine gesunde Lebensführung, wie eine vegetarische Vollwerternährung.
Ashtanga Yoga / Poweryoga
Poweryoga ist eine westliche Ableitung des Ashtanga Vinyasa Yoga. Bei dieser dynamischen Art des Yoga findet eine Synchronisierung von Bewegung und Atem statt, so dass die Asanas geschmeidig ineinander übergehen. Dieser aussergewöhnliche Stil trainiert Flexibilität, Ausdauer, Kraft, Koordination und Konzentration.
Kundalini Yoga
Kundalini Yoga ist der Yoga der Energie. Kundalini Yoga beschreibt den Astralkörper mit seinen Chakras (Energiezentren) und Nadis (Energiekanälen). Beim Kundalini Yoga übt man den Astralkörper zu reinigen, unsere Lebensenergie (Prana) stark zu erhöhen, die Chakras zu harmonisieren und zu öffnen. Wenn man bereit ist, erwacht die mächtige Kundalini-Energie entweder spontan plötzlich oder langsam allmählich. Beim Erwachen der Kundalini erlebt man viele überwältigende und auch außersinnliche Erfahrungen, u.a. ein starkes Glücksgefühl, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung neuer Fähigkeiten.
Raja Yoga
Raja Yoga umschliesst die Techniken des mentalen Trainings und der Meditation. Raja Yoga ist der Yoga des menschlichen Geistes und erklärt, wie wir ihn beherrschen können. Die Praxis des Raja Yoga umfasst
- Visualisierung
- Affirmation
- Selbstbeobachtung
- Achtsamkeit
und die verschiedenen Meditationstechniken.
Jnana Yoga
Jnana Yoga ist der philosophische Teil des Yoga. Jnana Yoga ist der Yoga des Wissens. Jnana Yoga stellt Fragen wie
- Wer bin ich?
- Woher komme ich?
- Wohin gehe ich?
- Was ist der Sinn des Lebens?
- Was ist Glück?
- Was ist wirklich?
Im Jnana Yoga werden Reinkarnation und Karma erklärt und man meditiert, um in sich selbst die Wahrheit intuitiv zu erfahren.
Bhakti Yoga
Bhakti Yoga ist der Yoga der Liebe und Hingabe zu Gott. Im Bhakti Yoga praktiziert man Rituale wie, Mantras singen und rezitieren, Pujas (Opfergabe), Gebete. Bhakti Yoga ist der einfachste Weg Erleuchtung zu erfahren und zu Gott zu finden, weil Bhakti Yoga das Herz direkt öffnet, im Gegensatz zu den intellektuelleren Formen des Yoga.
Karma Yoga
Karma Yoga ist der Yoga des selbstlosen Dienens. Karma Yoga erklärt, das eigene Schicksal als Chance zu begreifen. Karma Yoga lehrt uns, Entscheidungen richtig zu treffen und Spiritualität in jeden Teil unseres Lebens zu bringen. Karma Yoga wird auch Yoga der Tat genannt. Karma Yoga hilft einem dabei, die Begrenzungen des Egos zu durchbrechen und sich eins mit allen Wesen zu fühlen.
Yoga Nidra
Yoga Nidra ist der Schlaf des Yogi. Yoga ist Bewusstheit, Nidra ist Schlaf. Yoga Nidra ist eine Meditation aus der tantrischen Wissenschaft. Es ist ein bestimmter Bewusstseinszustand, in dem wir uns auf der Grenze zwischen äußerer und innerer Welt befinden, nicht ganz wach, nicht ganz im unbewussten Schlaf. Yoga Nidra heißt in diesem kraftvollen Zustand zu sein. Yoga Nidra führt uns zu körperlicher Ruhe, emotionalem Frieden, mentaler Klarheit, Aufblühen unseres kreativen Potentials, tiefem Einssein mit unserer wahren Persönlichkeit, der Kraft und Kreativität unseres eigenen Geistes.
Yoga Mudra
Yoga Mudra (auch bekannt als Yoga Mudrasan, Yoga Mudrasana, Yoga Mudra Asana, Yoga Mudra Asan) heißt “Siegel des Yoga” bzw. “Symbol des Yoga”. Yoga Mudra ist letztlich eine Hingabe und Verehrung für das Göttliche. Auf der körperlichen Ebene ist Yoga Mudra sehr gut für die Beweglichkeit von Hüften und Wirbelsäule und Yoga Mudra ist ausserdem eine ideale Übung für die Verdauungsorgane. Bei längerer Praxis von Yoga Mudra erfährt man tiefen geistigen Frieden.
Tri Yoga
Tri Yoga wurde von der Amerikanerin Kali Ray entwickelt. In Tri Yoga lernt man die “Kunst der Meditation in Bewegung” kennen. Hier bekommen klassische Yogastellungen einen fließenden Ausdruck. Ein zentrierter Geist und rhythmisches Atmen helfen bei der energetischen Öffnung des gesamten Körpers.

Ein Übungsweg
Yoga verlangt eigenes Tun, eigenes Erfahren. In seiner über 2000-jährigen Geschichte entstanden verschiedene Yogatechniken. Diese wurden in ein System eingefügt, das im wesentlichen aus Körperhaltungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama)und Übungen zur Konzentration, Kontemplation und Meditation besteht. Auf diesen drei Übungsebenen lernen wir, eine Verbindung von Körper, Atem und Geist herzustellen.
Asanas
Asanas sind Körperhaltungen, die mit wachem Geist in ruhigen, mit dem Atem verbundenen Bewegungen ausgeführt werden, sie lehren uns, bestimmte Qualitäten im Umgang mit dem Körper zu verwirklichen. Leichtigkeit, Stabilität und Wachheit gehören zu den wichtigsten. Den Asanas werden bestimmte Wirkungen wie Vitalisierung, Reinigung, Kräftigung, Aufrichtung und Entspannung zugeschrieben, Asana leben über die äußere Form von ihrem inneren Gehalt. Sie sind vor allem Einladungen an unseren Atem, sich auf sanfte Art Räume zu suchen, welche im alltäglichen Umgang mit dem Körper meist unzugänglich bleiben. Sie öffnen uns damit für den Fluss der Lebensenergie, die im Yoga Prana genannt wird.
Pranayama
Pranayama sind Atemübungen des Yoga. Sie sind ein wichtiges Mittel, den Atemfluss zu harmonisieren und zu vertiefen. Gleichzeitig entwickelt sich die Kraft für innere Reinigung und Lösung von Blockaden.
Konzentration, Kontemplation, Meditation
Über Asanas, Pranayama und Konzentration lernen wir, die Bewegungen des Geistes zur Ruhe zu bringen, um achtsam und bewusst den Augenblick zu leben. Für einen so beruhigten Geist kennt Yoga eine Vielzahl von konzentrativen, kontemplativen und meditativen Übungen, die uns zu größerer Klarheit, innerer Gelassenheit und Zufriedenheit führen können.
Für wen ist Yoga geeigent?
Ein bekannter Text über die Yoga-Praxis sagt: “Jeder Mensch kann in Yoga erfolgreich sein, Junge ebenso wie Alte, Gesunde ebenso wie Gebrechliche und Kranke”. Viele Menschen glauben, jede Yoga-Übung sei für jeden Menschen gleichermaßen geeignet und hilfreich. Das ist nicht richtig. Was dem einen Menschen gut tut, mag einen anderen krank machen. Yoga darf keine neuen Probleme schaffen. Yoga muß sich ausrichten an unseren unterschiedlichen Möglichkeiten und persönlichen Bedürfnissen. Das kann heute etwas anderes sein als morgen.

Um hierbei die richtigen Schritte zu finden, brauchen wir die Hilfe eines Lehrers, einer Lehrerin. Yoga lässt sich nicht aus Büchern lernen!
“One percent is theory and ninety-nine percent is practice“
Shri K. Pattabhi Jois, Begründer von Ashtanga Yoga
Hatha Yoga-Übungsprogramm für Anfänger (ca. 50 min)
- Surya Namaskara
- Tadasana
- Utthita-Trikonasana
- Padahastasana
- Prasarita-Padottanasana
- Pashvottanasana
- Virabhradrasana I+II
- Vrikshasana
- Shavasana
- Pashchimottanasana
- Purvottanasana
- Janusirsasana
- Baddha Konasana
- Salamba-Sarvangasana
- Halasana
- Shavasana
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